Wie kam es dazu?

Verbotene Beziehungen

Wie sich Stefan Widla, Jan Kosnik, Annemarie Edenhauser und Hedwig Schwendter kennenlernen, wissen wir nicht. Es ist nicht einmal sicher, ob sie tatsächlich eine Liebesbeziehung verbindet. Sie treffen sich öfters zum Tanzen und besuchen gemeinsam kleinere Feste.  

Stefan Widla

Stefan Widla stammt aus der Nähe von Krakau. Er ist 34 Jahre alt, unverheiratet und gelernter Maurer. Einige Monate arbeitet er in Zell am Ziller, danach beim Kraftwerksbau in Kirchbichl.

Jan Kosnik

Jan Kosnik kommt aus Warschau. Er ist 35 Jahre alt, verheiratet und wird beim Bau des Kraftwerks als Hilfsarbeiter eingesetzt.

Jan Kosnik

Jan Kosnik kommt aus Warschau in Polen. Er ist 35 Jahre alt, verheiratet und wird beim Bau des Kraftwerks als Hilfsarbeiter eingesetzt.

Wir wissen fast nichts über die beiden. Zwei Monate nach Kriegsbeginn, im November 1939, kommen sie in Tirol an. Beide sind in Kirchbichl im sogenannten „Polenlager“ untergebracht.

Es gibt unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie ZwangsarbeiterInnen in das Deutsche Reich kommen. Nur wenige sind freiwillig hier. Die NS-Behörden versuchen unter falschen Versprechungen in befreundeten Ländern und den besetzten Gebieten Freiwillige anzuwerben. Weil sich nur wenige melden, üben sie massiven Druck aus und verschleppen Menschen in das Deutsche Reich zur Zwangsarbeit. Auch Kriegsgefangene werden als Zwangsarbeiter eingesetzt.

In Tirol und Vorarlberg gibt es zwischen 20.000 und 30.000 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene. Marija Kukurusa-Schweißgut aus der Ukraine ist eine von ihnen. Die deutschen Besatzer verschleppen sie und andere Mädchen in einem Viehwaggon aus ihrer Heimat nach Tirol. In Wörgl gibt es ein Durchgangslager. Von dort aus werden die ZwangsarbeiterInnen auf ganz Tirol und Vorarlberg verteilt. Die damals 14 Jahre alte Marija erinnert sich an Misshandlungen und Demütigungen in Wörgl: „Im Lager war es furchtbar.“

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Annemarie Edenhauser

Annemarie Edenhauser wohnt in Häring und ist 28 Jahre alt. Sie ist seit vier Jahren verheiratet. Ihr Mann ist Soldat der Deutschen Wehrmacht in Norwegen. Die beiden haben keine Kinder.

Hedwig Schwendter

Hedwig Schwendter wohnt ebenfalls in Häring. Sie ist sechs Jahre älter als Annemarie und schon seit 1933 verheiratet. Auch ihr Mann dient in der Wehrmacht und befindet sich in Wien. Das Paar hat keine Kinder. Hedwig kümmert sich um den Haushalt ihres Bruders Johann und seine vier Kinder. Wir verfügen über kein Foto von ihr.

Hedwig Schwendter wohnt ebenfalls in Häring. Sie ist sechs Jahre älter als Annemarie und schon seit 1933 verheiratet. Auch ihr Mann dient in der Wehrmacht und befindet sich in Wien. Das Paar hat keine Kinder. Hedwig kümmert sich um den Haushalt ihres Bruders Johann und seine vier Kinder.
Hedwig Schwendter wohnt ebenfalls in Häring. Sie ist sechs Jahre älter als Annemarie und schon seit 1933 verheiratet. Auch ihr Mann dient in der Wehrmacht und befindet sich in Wien. Das Paar hat keine Kinder. Hedwig kümmert sich um den Haushalt ihres Bruders Johann und seine vier Kinder.

Hedwig Schwendter

Hedwig Schwendter wohnt ebenfalls in Häring. Sie ist sechs Jahre älter als Annemarie und schon seit 1933 verheiratet. Auch ihr Mann dient in der Wehrmacht und befindet sich in Wien. Das Paar hat keine Kinder. Hedwig kümmert sich um den Haushalt ihres Bruders Johann und seine vier Kinder.

Annemarie ist mit Peter Edenhauser, einem Bruder Hedwigs verheiratet. Die beiden Frauen kennen sich daher sehr gut. Sie sind keine Nationalsozialistinnen – ganz im Gegenteil. In der Zementfabrik, in der sie arbeiten, sollen sie sogar absichtlich eine Maschine zerstört haben, um der NS-Wirtschaft zu schaden. 

Verhaftung und Befragung

Beim Abendspaziergang sehen Rudolf L. und seine Frau Berta die beiden Frauen mit ihren polnischen Begleitern. Bei einer NS-Versammlung, die kurze Zeit später in Kirchbichl stattfindet, erzählt Rudolf davon. Der zuständige Ortsgruppenleiter Franz T. zeigt den Vorfall am 15. Juni 1940 sofort an. 

"Wie es meine Pflicht war(,) habe ich wahrscheinlich kurz darauf dem Gendarmeriepostenkommandanten von diesem Vorkommnis Mitteilung gemacht."

Noch am selben Tag nimmt der Postenkommandant der Gendarmerie Kirchbichl Annemarie Edenhauser und Hedwig Schwendter fest. Sie bestreiten die Vorwürfe, werden aber trotzdem eingesperrt. Später gibt Annemarie zu, die beiden polnischen Männer zu kennen und nennt ihre Namen. Man schwindelt ihr vor, dass ein Geständnis den Polen helfen würde. Stefan Widla und Jan Kosnik werden sofort verhaftet. Die Geheime Staatspolizei überstellt sie so wie die beiden Frauen in das Polizeigefängnis in Innsbruck.

Hier geht es zu den weiteren Kapiteln:

Was geschah in Kirchbichl?

Was passierte danach?